Diversifizierung in der Landwirtschaft: Eine Antwort auf die Herausforderungen von heute und morgen?

Diversifizierung in der Landwirtschaft: Eine Antwort auf die Herausforderungen von heute und morgen?

22/05/2026

Die Landwirtschaft begegnet europaweit zunehmendem Anpassungsdruck. Klimatische Veränderungen, volatile globale Lieferketten, gesellschaftliche Erwartungen und politische Rahmenbedingungen erfordern neue Strategien bei der betrieblichen Ausrichtung. Wie auch in anderen Wirtschaftszweigen ist die Steigerung von Effizienz und Produktivität auch in der Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie maßgebliche Treibkraft vieler Entwicklungen. Um diese Effizienzsteigerung zu erreichen, findet seit den 1950er Jahren eine zunehmende Spezialisierung der Betriebe statt. Durch den optimierten Einsatz von Betriebsmitteln, Arbeitskraft und Verbrauchsmaterial können Kosten gesenkt und die Produktionsmengen gesteigert werden. Zeitgleich können Prozesse standardisiert werden, wodurch die Einhaltung von Produktspezifikationen und gesetzlicher Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit vereinfacht wird.

Diesen Vorteilen gegenüber stehen die Vulnerabilität und geringe Resilienz spezialisierter Betriebe gegenüber natürlichen, wirtschaftlichen und soziokulturellen Herausforderungen. Eines der prägendsten Beispiele für natürliche Herausforderungen der jüngeren Geschichte ist sicherlich die BSE-Krise der 1990er Jahre. Vor allem intensiv wirtschaftende, spezialisierte Rindermastbetriebe trafen die Auswirkungen mit besonderer Härte. Während die hohen Fixkosten der Betriebe weiterhin getragen werden mussten, schrumpften zeitgleich die Absatzmärkte (Exportverbot) und die Marktpreise brachen aufgrund fehlender Nachfrage massiv ein. Als Beispiel für wirtschaftliche Herausforderungen kann die Preisentwicklung für synthetische Düngemittel als Folge des Ukrainekonflikts und der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten dienen. Der Einsatz solcher Düngemittel ist für einen auf Ertragsmaximierung ausgerichteten Ackerbau elementar. Steigen aber die Preise für Produktionsmittel wie Dünger, während der Wert des Ernteguts sinkt, kann der Fokus auf Ertragsmaximierung die finanzielle Situation eines Betriebs belasten. Sich ändernde Ernährungsgewohnheiten stellen eine sozio-kulturelle Herausforderung dar, an die sich die Betriebe anpassen müssen. Beispielsweise reduziert sich der Konsum von Frischmilch in Europa in den vergangenen Jahren stetig, während die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen aus Hafer, Mandeln oder Soja steigt. Gleichzeitig steigerte sich zwischen 2015 und 2024 das Produktionsvolumen von Frischmilch in der EU um 7 %. Der daraus resultierende Angebotsüberhang wird mittelfristig zu einem Preisverfall führen, der vor allem die spezialisierten Milchviehbetriebe treffen wird. Aufgrund des massiven Ausbaus des Milchsektors in Indien, Pakistan und China wird auch der Preisdruck auf potenziellen Exportmärkten weiter zunehmen.

Die wirtschaftliche Risikoverteilung in Form einer Betriebsdiversifizierung kann dabei helfen, die Auswirkungen externer Einflussfaktoren und globaler Entwicklungen zu reduzieren. Ob und in welcher Form eine Diversifizierung wirtschaftlich sinnvoll und praktisch umsetzbar ist, hängt dabei entscheidend von den betriebsspezifischen Rahmenbedingungen ab. Insbesondere für Betriebe, die langfristig investieren, z.B. in moderne Stallungen oder spezialisierte Maschinen, stellt der Aufbau neuer Produktionsbereiche eine wirtschaftliche Herausforderung dar. Bei Betrieben, die bereits über vielseitigere Produktionsbereiche verfügen, können eine Erweiterung oder Umstrukturierung der Betriebsprozesse hingegen weniger Aufwand verursachen. Das Engagement und die Bereitschaft der Betriebsleitung, sich langfristig und intensiv mit den Anforderungen neuer Betriebsbereiche auseinanderzusetzen, ist ein weiterer entscheidender Faktor für den Prozess der Diversifizierung. Zusätzlich haben die Menge und Qualität der verfügbaren Flächen, die Art der Bodenbearbeitung, die Fruchtfolge, die Wahl geeigneter Kulturen, sowie ein effizientes Bestandsmanagement, einen elementaren Einfluss auf den Erfolg. Neue Kulturen erfordern neues Wissen, neue Erfahrungswerte aber auch Frusttoleranz. Dieser Aufwand rechtfertigt sich nur, wenn eine Diversifizierung auch neue Absatzmöglichkeiten eröffnet und die betriebliche Wertschöpfung fördert.

Durch das Beratungsmodul „Diversifikation“ bietet die Beratung des IBLA eine ganzheitliche Hilfestellung an, um konventionelle und bio-zertifizierte Betriebe bei dieser komplexen Entscheidungsfindung zu unterstützen. Hierbei wird auf Grundlage einer Analyse der Betriebsstruktur das Potenzial verschiedener Möglichkeiten zur Diversifizierung objektiv erfasst. Im Anschluss erfolgt eine Schätzung der zu erwartenden Investitionskosten, der notwendigen Maßnahmen zur praktischen Umsetzung und eine Bewertung des Marktpotenzials. Im Rahmen der Beratung können zudem die rechtlichen Vorgaben in der Direktvermarktung vermittelt und der Kontakt zu potenziellen Verarbeitenden und Abnehmenden hergestellt werden. Die Kosten für das Beratungsmodul werden einmal jährlich durch das Landwirtschaftsministerium übernommen.

Weitere Informationen zu Beratungsmodulen finden Sie hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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