Bio-Weinlese beginnt ungewöhnlich früh

Bio-Weinlese beginnt ungewöhnlich früh

IBLA Bioweinbau Pressekonferenz: Bech-Kleinmacher, 6. September 2017 – Wetterkapriolen sorgen für ein Auf und Ab im Weinberg – früher Lesestart – 4% biologisch bewirtschaftete Rebfläche in Luxemburg

Die Biowinzer Yves Sunnen (Caves Sunnen-Hoffmann), Guy Krier (Domaine Krier-Welbes), Jean-Paul Krier (Domaine Krier-Bisenius), Aly Leonardy (Domaines Vinsmoselle), Luc Roeder (Maison Viticole Roeder), Carlo Entringer (Canecher Wéngertsbierg), sowie Robert Ley (Direktor IVV), Doris Goethert (IVV) Stéphanie Zimmer (IBLA), Daniela Noesen (Bio Lëtzbuerg) und Sonja Kanthak (IBLA) heißen die Besucher der diesjährigen Bioweinbau Pressekonferenz herzlich willkommen.
Die Weinlese startet in diesem Jahr ungewöhnlich früh. Bei frühen Rotweinsorten läuft die Lese bereits. Bei den weißen Rebsorten ist mit dem Beginn der Lese in der kommende Woche zu rechnen.

Das Frühjahr begann ungewöhnlich warm und sorgte für einen frühen Beginn der Weibausaison. Die Reben starteten schnell mit dem Austrieb. Leider nicht zur Freude der Winzer, denn Ende April sorgten polare Luftmassen für mehrere Frostnächte und erhebliche Schäden in den Weinbergen der Luxemburger Mosel. Frostschäden führen bei Weinreben zum einen für komplett abgestorbene Triebe und zum anderen zu geschädigten Blüten. Abgestorbene Triebe werden zwar durch frischen Neuaustrieb ersetzt, diese neuen Triebe haben allerdings weniger bis gar keine Blüten und dadurch deutlich weniger Trauben. Die Reben bilden dann kleinere Trauben mit weniger Beeren aus. Für eine gewisse Kompensation sorgt das Dickenwachstum der Beeren. Eine Traube mit weniger Beeren bildet nach einem Frostereignis dickere Beeren aus. Im südlichen Teil der Luxemburger Mosel hatten die Winzer zum Teil Glück was den Frost betraf. Die Winzer flussabwärts und die frühen Lagen der Mosel wurden schwerer getroffen. Auch die Winzer an der Sauer hatten mit dem Frost zu kämpfen. Zudem gab es in einigen Weinbaugemeinden Hagel.
Nach diesem holprigen Start setzte sich im Mai und Juni trockenes und zum Teil überdurchschnittlich heißes Wetter durch. Die Rebblüte erfolgte durch den frühen Austrieb der Reben ebenfalls eher als sonst. Begünstigt durch die warmen und trockenen Bedingungen verlief sie reibungslos. Doch Hitze und vor allem Trockenheit führten auch hier zu Problemen, denn die über den Winter ohnehin nicht üppig gefüllten Wasservorräte im Boden wurden schnell aufgezehrt. In biologisch bewirtschafteten Weinbergen ist die Pflege der Wasserreserven eine wichtige Aufgabe und die Erhöhung der Wasserspeicherfähigkeit der Böden ein Grundprinzip. Mit einer optimal bewirtschafteten Begrünung konnten die Reben die lang anhaltende Trockenperiode gut meistern. Punktuell fielen auch nennenswerte Niederschläge zur richtigen Zeit und einige Winzer hatten das Glück auf ihrer Seite. Ein Teil der frisch gepflanzten Reben mussten bewässert werden, weil ihr Wurzelsystem noch weniger gut entwickelt ist. Der herbeigesehnte Regen kam Ende Juli und sorgte für Entspannung. Die Reben reagierten prompt mit üppigem Wachstum. Die frostgeschädigten Trauben mit geringer Anzahl an Beeren füllten sich rasch. Dies kann besonders bei den in Luxemburg beliebten Burgundersorten wie Pinot Blanc, Pinot Gris, Chardonnay & Auxerrois auch zu Problemen führen, weil sich die Beeren gegenseitig im Wachstum behindern und bei feuchten Bedingungen aufplatzen können.
Durch den frühen Start der Reben setzt auch die Reife der Trauben früher ein und so beginnen die Winzer im Jahr 2017 ungewöhnlich früh mit der Traubenlese. Bei der Auswahl des Lesezeitpunktes ist Fingerspitzengefühl gefragt. Die Winzer richten sich dabei nach Reife sowie Gesundheitszustand der Trauben. Zudem ist der Lesezeitpunkt davon abhängig welcher Wein erzeugt werden soll. Werden z.B. Trauben für die Erzeugung von Crémant gelesen, ist eine frische Säure sehr vorteilhaft. Da die Säure mit fortschreitender Traubenreife abnimmt, ist es wichtig, dass die Trauben in diesem Fall nicht zu spät gelesen werden. Mit selektiver Lese und guter Planung können die Bio Winzer in Luxemburg das Beste aus ihren Weinbergen herausholen und sorgen dafür, dass aus besten Trauben auch Top-Weine und Crémants entstehen.

Bioweinbau in Luxemburg
Seit 1995 gibt es in Luxemburg biologischen Weinbau. Mittlerweile wirtschaften 15 Betriebe auf 40 ha zertifiziert biologisch. 13 ha befinden sich in der Umstellung auf die biologische Bewirtschaftung. Damit wird 4% der Weinbaufläche zertifiziert biologisch bewirtschaftet. Verglichen mit den Nachbarländern Frankreich (8%) und Deutschland (7,6%) liegt Luxemburg damit unter dem Durchschnitt.

Bio-Lëtzebuerg als Vereenegung fir Bio-Landwirtschaft sowie das IBLA als Institut fir biologëch Landwirtschaft an Agrarkultur setzen sich für die Ausweitung der biologischen Bewirtschaftung ein. Die IBLA Weinbauberatung bietet neben klassischer Beratung, z.B. während der Umstellung, auch Weiterbildungen an die allen Winzern zu Gute kommen die sich für die Methoden des biologischen Weinbaus interessieren. So wurden in 2017 Seminare zu den Themen Biodiversität, Naturweinbereitung und zum Biologisch-Dynamischen Weinbau angeboten. Ergänzend unternahm die Beratungsgruppe eine Bioweinbau Exkursion nach Südtirol.